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Neue Perspektiven wagen – mit der Zukunftskonferenz

Eine Gruppe von 30 bis über 200 Personen, möglichst in interdisziplinärer Zusammensetzung, entwickeln und planen in einer vorgegebenen Struktur die Zukunft ihres Systems. In fünf bis acht Prozessschritten werden Vergangenheit, äußere und innere Realität analysiert, Zukunftsbilder entworfen und kreativ inszeniert, gemeinsame Ziele gefunden – und schließlich Maßnahmen und Lösungsansätze geplant.

Die Zukunftskonferenz …

holt das ganze System in einen Raum.

fokussiert lösungsorientiert die Zukunft, nicht die Probleme.

arbeitet mit selbststeuernden Gruppen.

schafft eine gemeinsame Wissensbasis bei heterogen zusammengesetzten Gruppen.

ermöglicht eine darauf aufbauende Zukunftsplanung.

eignet sich für offene Fragen einer Organisation, eines Unternehmens, aber auch einer Gemeinde oder Region.

steht unter dem Motto: „Global denken, lokal handeln.“

Das zentrale Prinzip der Zukunftskonferenz ist so einfach wie radikal. Sie bringt das ganze, offene System in einen Raum: alle involvierten Menschen, aber auch die zeitliche Dimension. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – die 30 bis über 200 Teilnehmer durchlaufen ihr Thema gemeinsam und gleichzeitig. So wird das ganze System in einer Dichte begreifbar, die immer wieder verblüfft: Da werden plötzlich Zusammenhänge klar, es entstehen gemeinsame Bilder und eine kollektive emotionale Basis. So werden zum Abschluss Lösungsansätze zur gemeinsam gewollten Zukunft entwickelt. In der Zukunftskonferenz werden scheinbar weit entfernte Interessen in kürzester Zeit gebündelt und zu einer tragfähigen Basis vereint. 

Die Teilnehmenden arbeiten in immer wieder wechselnden Achtergruppen im selben Raum. Manchmal sind sie bunt gemischt, manchmal gezielt gruppiert. Sie arbeiten Schritt für Schritt an ihren Aufgaben und präsentieren und diskutieren ihre Ergebnisse im Plenum. Sie lernen voneinander mit dem Kopf und mit dem Herzen. Über die strukturierten Phasen entwickeln sie einen Sinn dafür, was wirklich wichtig ist.

Zeit: 1,5 bis 2,5 Tage


 

Interessantes zur Zukunftskonferenz vom Entwickler selbst

Marvin Weisbord und Sandra Janoff haben zu Beginn der 1990er Jahre mit der Zukunftskonferenz eine Methode entwickelt, die bisher weltweit in den unterschiedlichsten Kulturen tausendfach erfolgreiche Anwendung gefunden hat.

Auszug eines Faltblatts von Future Search Associates (ehemals SearchNet)
Übersetzt und reproduziert, mit Erlaubnis von Future Search Associates, von Matthias zur Bonsen.

Marvin R. Weisbord:

"Zukunftskonferenz" ist meine Bezeichnung für eine bemerkenswerte Methode, die es Menschen und Gruppen mit unterschiedlichen Interessen ermöglicht, gemeinsame Ziele zu finden. Im vergangenen Jahrzehnt wurden mit ihr häufig soziale, technische und wirtschaftliche Durchbrüche erzielt, die in konventionellen Top-down-Konferenzen nicht hätten erreicht werden können. Zukunftskonferenzen sind eine optimale Planungsstrategie für unklare "Probleme ohne Grenzen" – für vertrackte Dilemmata, die sich in den Bereichen von Wirtschaft, Umwelt, Beschäftigung, Technologie, Bildung, Gesundheitswesen und Stadtentwicklung heute immer häufiger ergeben.

Stereotypen loslassen

Eine Zukunftskonferenz zu organisieren, das heißt auch, unsere bisherigen Annahmen über die Arbeit mit Großgruppen zu revidieren. In Zukunftskonferenzen erfahren wir, dass die meisten von uns in der Lage sind, Unterschiede in Herkunft, Klasse, Geschlecht, Rasse, Macht, Status und Hierarchie zu überbrücken, wenn wir gleichberechtigt an gemeinsamen Themen arbeiten. [...] Befreit von dem Druck, unlösbare Probleme zu lösen, können wir Gemeinsamkeiten entdecken, von denen keiner wusste, dass sie überhaupt existieren. Anstatt andere Menschen zu ändern, ändern wir die Bedingungen, unter denen wir interagieren. Das ist immerhin machbar.

Die meisten [herkömmlichen] Konferenzen beinhalten Reden, Diskussionen und "top-down roll outs" von Missionen, Visionen, Strategien, Informationen und neuen Strukturen. Fast alle beruhen auf einer externen Diagnose und Verschreibung: Diese Gruppe braucht Informationen, jene Gruppe braucht Teamentwicklung. Eine andere Gruppe braucht eine motivierende Rede. Und alle brauchen Moderatoren an jedem Tisch, besonders Leute, die sich vorher noch nicht kennengelernt haben. Außerdem brauchen sie …

Unsere Annahmen ändern

Unsere Annahmen bleiben bestehen, weil wir nicht wagen, sie zu testen. So werden sie zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Trotz zahlloser Konferenzen, die auf diesen Prinzipien beruhen, geraten unsere Institutionen ins Wanken. Unsere Methoden entsprechen nicht unseren tieferen Bedürfnissen. Zudem fällt es uns schwer, unseren eigenen Sinnen zu vertrauen. Wir wissen, WAS wir wollen (gegenseitigen Respekt, guten Service, Empowerment, Qualität, Produktivität etc.). Wir wissen aber nicht, WIE wir diese Eigenschaften in Konferenzen einbringen können, selbst nicht in solche, die sie zum Thema haben. Kein Wunder, dass wir zynisch geworden sind. Warum sollte eine "Zukunftskonferenz" anders sein?

Angenommen, unsere schwierigen Planungsprobleme verlangen mehr nach Einschätzungen als nach Expertenwissen? Angenommen, es ist wichtig, Verantwortung zu übernehmen in einer Situation, in der es viele "richtige" Antworten gibt? Angenommen, wir haben bereits alle Fähigkeiten, die wir dazu brauchen? Angenommen, dass jeder von uns nur einen kleinen Teil des Puzzles kennt? Angenommen, dass wir Zugang zueinander brauchen, um das ganze Puzzle zu verstehen? Angenommen, dass wir uns gemeinsam den Problemen stellen müssen – dem Durcheinander und der Verwirrung – und etwas tun müssen? Das können wir nur schaffen, wenn wir voneinander lernen, unsere Wahrnehmungen auszutauschen und zusammen bereit sind, Verantwortung für unsere Zukunft-zu übernehmen. Das ist keine besonders ausgefallene Anleitung, jedoch eine, die denen hilft, die sie anwenden können.

Einfach, nicht leicht

Für Zukunftskonferenzen braucht man nur den gesunden Menschenverstand. […] Zukunftskonferenzen sind einfach, aber nicht leicht. Es ist harte Arbeit, die richtigen Leute auszuwählen und in einen Raum zu holen. Manchmal nimmt das mehr Zeit in Anspruch als die ganze Konferenz. Doch der Konferenzablauf ist einfach. […] Jeder arbeitet gleichberechtigt. Jeder muss sich unserer Vergangenheit, unserer Gegenwart und unserer Zukunft im Dialog mit anderen stellen. Die Ergebnisse können nicht vorhergesagt werden. Doch sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit innovativ, konstruktiv, idealistisch, pragmatisch und erstaunlich langlebig. Auf dem Weg dorthin stellen wir uns der Unsicherheit, die uns dazu bringt, eine neue Welt zu kreieren.


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